40 Stundenjob und nebenbei selbstständig - geht das?

Viele glauben sicher, dass ich das was ich tue, hauptberuflich mache. Das ich täglich den ganzen Tag sitze und an neuen Ideen feile oder bastle. Doch da muss ich Sie leider enttäuschen, denn ist es ganz anders...

 

Ich sitze unter der Woche rund 40 Stunden in einem Immobilienbüro in Wien. Ich gehe morgens um viertel 7 außer Haus und komme abends um dreiviertel 7 wieder zurück. An einem Freitag bin ich früher zu Hause, denn da ist zu Mittag Schluss, es dauert aber dennoch bis halb 2, bis ich zu Hause bin. Ja, man pendelt schon ein Weilchen zwischen Wien und Limberg bzw. Maissau.

 

Sie fragen sich nun bestimmt "Wie geht das?!", oder "Wie schafft sie das?". Ganz ehrlich, teilweise hab ich auch keine Ahnung, wie ich es schaffe alles unter einem Hut zu bringen. Ich muss beruflich auch 100% geben, da wir mit Zinshäuser arbeiten und es hier um etwas andere Summen geht. Ein Fehler wäre fatal - unvorstellbar und zu Hause sollte ich meine Werke und Basteleien auch mit Genauigkeit machen. Es versteht sich von selbst, wenn ich sage, dass es Tage gibt an denen ich einfach nach Hause komme und nichts mehr tue. Ich habe dann wirklich keine Lust, ich genieße den Abend mit meinem Partner vor dem Fernseher und fertig. Des Öfteren jedoch, gehe ich nach dem Abendessen in meine Werkstatt und bastle, mache Bestellungen fertig, oder probiere neue Dinge aus. An einem Wochenende wird fleißig gearbeitet, da sitzen wir dann oft Samstagvormittag, als auch am Nachmittag, mittlerweile sogar Sonntagvormittag wenn ich nicht schlafen kann. Ich muss gestehen, es stört mich nicht. Ich liebe das was ich tue, es macht mir Spaß und es ist eine Abwechslung zum Bürojob. Wenn man knapp 40 Stunden nur vor dem PC sitzt, ist man froh, wenn man zu Hause keinen Laptop, keinen Fernseher oder kein Handy in unmittelbarer Nähe hat. Mich handwerklich zu betätigen ist für mich einfach ein Ausgleich. Diesen Ausgleich hat jeder von uns, eine Kollegin vom mir geht gerne ins Fitnessstudio, die andere reiten und ich, ich bastle eben gerne.

Klar für meine Kollegen ist es ein Hobby ohne im Hintergrund noch Dinge machen zu müssen. Denn sie müssen keine Beiträge zahlen, keine Buchhaltung führen, Kundenkontakte pflegen - sie gehen ihrem Hobby einfach nach. Mich stört es aber nicht, ich mach gern Buchhaltung, stelle Dinge auf die Homepage, bereite Ausstellungen vor, stehe auf Märkte usw.

 

Viele dachten zu Beginn ich sei zu Hause und widme mich 40 Stunden meinen Werken, nur das geht leider nicht. Klar wäre es schön wenn mein Hobby soviel abwirft, aber das wird wohl einfach ein Traum bleiben. Es ist ein kleines Zuckerl zusätzlich zum Einkommen, welches uns im Alltag hilft - da nach dem Hauskauf im Februar vor einem Jahr immer wieder etwas anfällt das nach und nach gemacht werden muss. Außerdem, wenn ich ganz ehrlich bin, macht mir mein Job in Wien total viel Spaß! Ich habe reizende Kollegen, einen tollen Chef und die Arbeit ist jeden Tag eine Herausforderung, ich möchte es gar nicht aufgeben. Deshalb versuche ich so gut wie möglich beides perfekt unter ein Dach zu bringen, damit nichts zu kurz kommt. Ich hoffe es ist mir bisher gut gelungen...

 

Sollten Sie also je überlegt haben, sich nebenbei selbstständig zu machen, jedoch Angst und Bedenken haben, dass es zeitmäßig unmöglich ist, dann kann ich Ihnen versichern, dass es klappt. Ich bin täglich 12 Stunden außer Haus und schaffe es, also warum auch nicht Sie? Klar gehört ein bisschen Mut und Fleiß dazu, aber so ist das im Leben. Wie heißt es so schön "von nichts, kommts nichts". Ich glaube, wenn man nebenbei etwas gern macht, so wie ich, dann klappt das, denn es ist kein Zwang da. Wenn es mal 2 Wochen lang keine neuen Werke gibt, dann spielt das wenig bis fast keine Rolle, weil man trotzdem sein Geld im Monat verdient. Ist man jedoch komplett selbstständig, kann man sich solch Dinge natürlich nicht leisten und ich denke, dass es in der heutigen Zeit schon sehr schwierig ist etwas auf eigene Beine zu stellen.

 

Wie es in ein paar Jahren aussieht kann keiner sagen, sollten meine Werke irgendwann keinen Gefallen mehr finden, oder ich einfach keine Lust mehr haben (was sehr unwahrscheinlich sein wird), dann hängt hier nicht die Existenz dran. Vielleicht wird aber auch mehr Zeit in mein Hobby investiert, wenn dann mal ein Kind da ist... man kann nie wissen was die Zukunft bringt. Im Moment bin ich glücklich so wie es ist!